Chronik der FF Straßkirchen

Hier erfahren Sie etwas über die Geschichte unserer Feuerwehr.

Die Mannschaft der FF Straßkirchen mit Fahnenmutter Maria Waldbauer im Jahre 2010 zum 125. Grundungsfest der Wehr

 

 

Die Zeit rund um die Gründung unserer Wehr

Im Jahre 1885 zählte Straßkirchen gerade etwa 50 Einwohner.

Es bestand aus fünf Wohnhäuser, war aber bereits wegen seiner Jahrhunderte alten Tradition als Pfarrdorf bekannt. Der Ort hatte alles, was man damals brauchte, eine Kirche, eine Schule, zwei Wirtshäuser, zwei Krämereien und eine große Brauerei. Die hob natürlich den Stellenwert der kleinen Pfarre.

Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Straßkirchen

Dem Bräu Carl Hellmannsberger war es dann auch vorbehalten, am 4. Oktober 1885 einen Freiwillige Feuerwehr zu gründen, deren erster Vorstand er auch wurde. Es ist anzunehmen, dass ein beträchtlicher Teil der 44 Gründungsmitglieder Mitarbeiter der Brauerei und des dazu gehörenden Gutshofes waren. Ein weiteres Indiz dafür ist, dass bereits zur Gründung eine Feuerlöschspritze zur Verfügung stand. Die Straßkirchner befanden sich damit voll im Trend, weil das gesamte Feuerwehrwesen in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland seinen Anfang nahm. Als die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Straßkirchen vom Bürgermeister Koller von der Landgemeideverwaltung Straßkirchen beim Königlichen Bezirksamt Passau beantragt wurde hieß es im Antwortschreiben vom 28. Januar 1886:

„Die mit Bericht vom 22.d.Mts. Angezeigte Bildung einer freiwilligen Feuerwehr in der Gemeinde Straßkirchen hat zur befriedigenden Kenntnis gedient und wird die Erwartung ausgesprochen, daß diesem gemeinnützigen Unternehmen von Seiten der Gem. Verw. die  tunlichste Förderung zu Teil werde.

Hellmannsberger war bis zu seinem Tode im Jahre 1916 Vorstand der Wehr und ein spendabler großartiger Mäzen. Es ist überliefert, dass er auch nach jedem Einsatz oder Übung einen nicht zu kleinen „Banzen Bier“ stiftete. Wenn alles besonders gut geklappt hatte, sollen es auch zwei oder mehr gewesen sein. Nicht nur diese Art der Belohnung förderte den Zusammenhalt und die Kameradschaft in der Wehr, was in den Anfangsjahren genauso wichtig war wie heute. 1890 stiftete Hellmannsberger die erste Vereinsfahne, welche von Pfarrer Matthias Meisinger geweiht wurde und über 40 Jahre ihren Dienst leistete. 1931 wurde sie durch einen neue zeitgemäße Fahne ersetzt.

Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen

Der 1.Weltkrig hat auch Männer der jungen Straßkirchner Wehr das Leben gekostet. Ihren Fortbestand konnten die schlimmen Verluste im Feld und in der Heimat aber nicht gefährden. Erst 1923 wird eine Grundliste über die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr geführt, was natürlich manche personelle Rückschau in der ersten 38 Jahre nach der Gründung erschwert. Am 7.März 1928 genehmigte der Gemeinderat von Straßkirchen einstimmig den Bau des ersten „Spritzenhauses“ mit Schlauchturm zwischen den beiden damaligen Schulhäuser, dem heutigen Steininger Haus und dem die Ortspolizeibehörde (Gemeinde) Straßkirchen den Bauantrag an das Bezirksamt Passau gestellt, am 5. März war er bereits bearbeitet gewesen.

Die Weihe der neuen Fahne fand am 28. Juni 1931 auf der Scheibe statt. Dazu musste der damalige Pfarrer Josef Eichinger (1915-1934), erst die Erlaubnis des Bischöflichen Ordinariats in Passau einholen. Er schrieb seinerzeit:

„Straßkirchen b/Passau, den 13. Juni 1931

 

Die Freiwillige Feuerwehr Straßkirchen hat beim Pfarramte um die Weihe einer neuen Fahne nachgesucht. Der sonntägliche Gottesdienst wird dadurch nicht gestört. Die Fahne trägt ein religiöses Zeichen. Tanzmusik findet nicht statt. Es wird um die Erlaubnis zur Fahnenweihe ersucht und um die Subdelegation.

Ehrerbietigst gehorsamst!

Eichinger, Pfarrer“

Die Erlaubnis zur Fahnenweihe und die Subdelegation auf den Pfarrer wurde von den Domherren auch unverzüglich erteilt, unterschrieben von einem Herrn Riemer, dem späteren Generalvikar. Aus einem Bericht des Pfarrers über die Fahnenweihe an das Ordinariat geht allerdings hervor, dass nicht alles wie gewünscht verlaufen war:

„Die Fahnenweihe fand am 28. Juni statt. Im Allgemeinen wurden die kirchlichen Vorschriften eingehalten; aber ohne Mißton ging es nicht ab. Die Festtribüne war in der Nähe der Kirche errichtet; zur derselben wurden die ankommenden Vereine mit mächtiger Musik geführt, auch unter dem Hauptgottesdienste, sodaß der amtierende Geistliche bei der Predigt arg gestört wurde. Koop. Braun wollte die Musik abstellen, aber ohne jeden Erfolg; in Gegenteil, er griff in ein Wespennest. Es ist ein Kreuz, das sich in Straßkirchen jede weltliche Feier auf der „Scheibe“, dem Platz vor der Kirche, abspielen muß.

Ehrerbietigst, ergebenst!

Eichinger, Pfarrer“

Gott sei Dank, dass heute so ein Feuerwehrfest auch für die Kirche einen Höhepunkt im Jahreskreis darstellt und der Hauptgottesdienst stets auch gleichzeitig der Festgottesdienst ist. Ob es damals bischöfliche Konsequenzen für die Feuerwehr gegeben hat ist uns nicht bekannt.

Diese Probleme waren aber auch winzig gegenüber denen, die ab 1938 folgten.

Wieder forderte der Krieg im Dorf und auch in der Straßkirchner Wehr seine Opfer, ein Aderlass vor allem von jungen Menschen, die eigentlich die Zukunft gestalten sollten.

 

Der Neuaufbau nach 1945

Johann Girmindl aus Stolzesberg war es im Wesentlichen, der die FF Straßkirchen im Jahre 1945 neu aufbaute und ihr von 1945 bis 1957 als Kommandant diente. Mit Unterstützung der Gemeinde, deren Pflichtaufgabe das Feuerwehrwesen ist, und der legendären Führungskraft und späterem Landrat Baptist Kitzlinger, wurde der Gerätebestand modernisiert und einen Tragkraftspritze mit dem notwendigen Schlauchmaterialbeschafft. Als Zuggerät für die Spritze hat der Kommandant stets seinen Schlepper „Primus“ zur Verfügung gestellt. Zu den bilateralen Besprechung mit Kitzlinger reiste Girmindl nicht selten mit dem Fahrrad bis zum rund 25 km entfernten Sandbach.

Im Jahre 1958 erhielt die Wehr eine neue Kraftspritze auf einem Anhänger. Die in die Jahre gekommene Vereinsfahne wurde im Kloster Thyrnau gründlich renoviert und teilweise erneuert, am 1. Mai 1962 wieder der Wehr zurückgegeben.

Feuerwehr Straßkirchen um 1964 mit Kommandant Josef Fürst

Jetzt wurde langsam auch das Feuerwehrgerätehaus zu klein. So dass man sich 1967 zu einem Neubau entschloss. Das Gebäude konnte bereits, unweit des bisherigen in zentraler Ortslage, am 19. Mai 1968 eingeweiht werden. Es sollte 35 Jahre lang die Heimstätte unserer Wehr sein. Rechtzeitig zu den Feierlichkeiten beschaffte die Gemeinde auch einen Mannschafts- und Gerätewagen Opel Blitz Zigler LF 8-TS zum Gesamtpreis, einschließlich Ausrüstung, von 10.308,35 DM und eine Sirene. Fünf Jahre später gab es die ersten Sprechfunkgeräte, hilfreich war dazu ein Zuschuss der Jagdgenossenschaft Straßkirchen. Zug um Zug wurden von der Gemeinde vor allem in den Außenbereichen auch Feuerlöschteiche errichtet.

Mittlerweile hatte durch die Gebietsreform im Jahre 1972 die Gemeinde Straßkichen aufgehört selbständig zu existieren. Ohne große Reibereinen aber mit einem latenten „Herz-Schmerz“ wurde Straßkirchen ein Teil der neuen Großgemeinde Salzweg, nicht ohne diverse „Grüß Gott-Geschenke“ wie eine Turnhalle, zu erhalten. Dies half natürlich den Verlust der Selbständigkeit zu versüßen. Plötzlich hatte die Gemeinde am historischen Goldenen Steig mit der FF Salzweg, der FF Oberilzmühle und unsrere Wehr gleich drei Freiwillige Feuerwehren.

Das 2. Jahrhundert unserer Wehr beginnt

Schon bald darauf galt es ein großes Jubiläum vorzubereiten. Die FF Straßkirchen wurde 100 Jahre alt. Am 14., 15. Und 16. Juni 1985 wurde groß gefeiert. Schirmherr war der Bürgermeister der Gemeinde Salzweg, Georg Knon, ein ausgewiesener Freund und Förderer des Feuerwehrwesens, Als Jubiläumsgeschenk gab es ein funkelnagelneues Tanklöschfahrzeug TLF16/25 und eine neue Fahne. Das Fahrzeug erhielt den kirchlichen Segen von Pfarrer Alfons Prügl anlässlich des Totengedenkens und der Ehrung verdienter Mitglieder auf der Scheibe, die Fahnen wurde im Rahmen des Festgottesdienstes von Oberstudienrat Günther Mandl geweiht. Mandel betonte damals besonders die Verbindung der Wehr mit der Kirche, was sich auch dadurch zeigte, dass auf der Fahne sowohl der Hl. Florian als auch die Pfarrkirche St. Ägidius zu sehen seien. Der fachliche Einsatzbereich war mittlerweile zunehmend problematischer geworden, die Bandbreite der Einsätze hatte sich von der reinen Brandbekämpfung immer mehr auch auf die Hilfe bei Verkehrsunfällen, bei Naturkatastrophen und auf technische Hilfeleistung erweitert. Mit dem metallverarbeitenden Betrieb Kaiser in Straßkirchen und der haute ausgebauten und ständig ansteigend frequentierten B 12 in Richtung der heute offenen Grenzen nach Tschechien, wurde eine weitere Ergänzung der Geräte- und Fahrzeugausstattung notwendig.

Dies erforderte aber auch verstärkte Anstrengungen bei der Aus- und Fortbildungen der Aktiven weil plötzlich Leistungen zu erbringen waren, die sich die Gründer gar nicht vorstellen konnten. Vor allem in den folgenden Jahren bis heute musste die Qualität der Aktiven stetig gesteigert und Lehrgänge für Spezialisten bis hin zu den Atemschutzträgern kamen dazu. Leistungsprüfungen sorgen dafür, dass sich alle Aktiven stets dem neusten Leistungsstandard anpassen. Auch technisch musste weiter aufgerüstet werden.

Am 20. Oktober 1991 erhielt die neue Tragkraftspritze TS 8 der Marke Ziegler die kirchliche Weihe. Das Löschgruppenfahrzeug LF 8 Opel Blitz wurde im Jahre 1998 durch ein Tragkraftspritzfahrzeug der Firma Ziegler ersetzt. Der ausgemusterte Opel Blitz ging gratis an eine ungarische Wehr in der Nähe des Plattensees.

 

Wir bauen ein neues Feuerwehrhaus

Die eingeengte Lage des Feuerwehrhauses und der geringe Platz im Haus waren zunehmend zu einer großen Belastung für die Wehr geworden. So konnte endlich im Jahre 2001 mit der Planung eines neuen Gerätehauses begonnen werden. Die Vorstandschaft und die Führungskräfte befassten sich zusammen mit dem Bürgermeister und den Gemeinderäten mit großer Sorgfalt mit der Standortfrage. Letztlich konnte ein zentrumsnaher und verkehrsgünstiger Traum-Standort auf einem Grundstück der Familie Christian Böhm an der Einmündung der Fischhauser Straße in die alte B 12 (Bayerwaldstraße) gefunden werden. Das ganze Jahr 2002 und weit in das Jahr 2003 hinein wurde unter der Führung von Vorstand Xaver Waldbauer und Kommandant Josef Sterl in einer eindrucksvollen Eigenleistung das Haus erstellt und der Umgriff gestaltet. Am 13. Juli 2003 konnte im Beisein vieler Gäste ein wunderschöner, zweckmäßiger Bau von Pfarrer Arpad Szabo eingeweiht werden.

Die FF Straßkirchen hat ein neues Zuhause

Mit einen Festakt verabschiedete die FF Straßkirchen am 28.05.2004 ihre Führungskräfte. Xaver Waldbauer, der 24 Jahre den Verein führte, und Josef Sterl, 18 Jahre als Kommandant an der Front, waren bei der letzten Wahl nicht mehr angetreten. Groß war deshalb auch die Zahl prominenter Gäste. Natürlich erwiesen auch Abordnungen der Nachbarwehren Oberilzmühle und Salzweg den Ausscheidenden die Ehre. Beide wurden als Dank für ihre herausragenden Leistungen und dem beispielgebenden Engagement mit dem Ehrentitel "Ehrenvorstand" bzw. "Ehrenkommandant" verliehen.

Zum 10-järigen Bestehen der Jugendfeuerwehr wurde ein Wimpel beschafft und am 5. Juni 2004 anlässlich des alljährlichen stattfindenden Florianifest geweiht. Im gleichen Jahr stieg die Wehr mit einer eigenen Homepage in das Internet ein.    

2008 wurde der Gerätepark um einen Löschanhänger P 250 mit Metallbrand-Löschpulver erweitert, einem Erfordernis aus der Erweiterung des Gewerbegebietes.

Vom 11. bis zum 13. Juni 2010 wurde dann die Feierlichkeiten zum 125. Gründungsfest der FF gefeiert und einer der Höhepunkte war dann auch die kirchliche Weihe des neuen Löschgruppenfahrzeugs LF 20/16.

„Die Feuerwehrleute von heute haben zwar professionelleren Einsatzanzüge, neuerdings nach Europa-Norm, und können auf einen moderneren, technisch enorm hochgerüsteten Geräten- und Fahrzeugbestand, zurückgreifen als ihre Kollegen aus der Gründerzeit.

Die Einstellung zum, retten, löschen, bergen und schützen zum Wohle des Nächsten und der Allgemeinheit ist aber bei den Feuerwehrkameradinnen und –kameraden auch heute noch dieselbe.“

 

Text: Josef Heisl

  

Vorstände

1885 – 1916   Carl Hellmannsberger, Stuhlberg           

1916 – 1922   Florian Fuchs, Hütten

1922 – 1929   Otto Reif, Willhartsberg

1929 – 1945   Heinrich Kasberger, Kamping

1946 – 1957   Max Reitberger, Seiersdorf

1957 – 1981   Matthias Klinger, Frankldorf

1981 – 2004   Xaver Waldbauer, Euzersdorf

2004 – 2010   Hermann Engel, Willhartsberg

2011 – 2019   Max Gruber, Seierdorf

Kommandanten

1885 –    ?       Franz Maier, Straßkirchen

1922 – 1945   Friedrich Krompaß, Götzendorf

1945 – 1957   Johann Girmindl, Stolzesberg

1957 – 1961   Alois Koller, Straßkirchen

1960 – 1961   Franz Meister, Straßkirchen

1961 – 1986   Josef Fürst, Straßkirchen

1986 – 2004   Josef Sterl, Englboldsdorf

2004 – 2010   Josef Thoma, Straßkirchen

2010 – 2018   Christian Nestler, Schlott

2018 –             Schneider Stafean, Straßkirchen